DER GÜNSTIGSTE EDELPUFF DEUTSCHLANDS

Auf dem Gipfel der Belanglosigkeit sah ich an mir herunter und war der Meinung, dass plastische Chirurgie mein nächster großer Coup werden sollte. Zu diesem Zeitpunkt ist es 1.45 Uhr und ich stehe auf der Aftershowparty der MTV EMAs. Aus Versehen.
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Hätten wir nicht eine überaus erfolgreiche Partyreihe ins Leben gerufen, wäre ich nicht in den Genuss (?) gekommen, Deutschlands größten Edelpuff zu besuchen. Der ursprüngliche Besitzer des „Very Important Passenger“ Tickets für besagte Party war kurzfristig verhindert, ich fand es kurz darauf im Briefkasten.
Da ich nicht wusste, dass es für zwei Personen galt, war ich den Rest des Abends damit beschäftigt, ein Zweites für meine Bekannte zu klären.
Die Ankunft an der Location übertraf alles, denn im Gegensatz zu allen anderen Gästen kamen wir straight outta U-Bahn und 14jährige Mädchen, die sich vor einem Hotel scharten, Fotos machten und „JUSTIIIIIN“ riefen, starrten uns eine Sekunde zu lange an, bevor sie realisierten, dass wir, genau wie der Rest der Gäste, vieles waren – nur nicht berühmt.

Ich trug das erste Mal seit Jahren ein Kleid und war bereit für Freisuff. Aber weit gefehlt: nachdem man 2€ an der Garderobe latzen musste („wir nehmen keine Taschen.“ -„Danke für die Auskunft, Fotze.“), uns Lufthansa-Hostessen Schokolade in die Hände drücken wollten („nein, sorry, mein Bauchumfang ähnelt dem einer Schwangeren im 8. Monat“), ging es ab an die Bar. Ich wollte Sekt. Ich bekam Sekt für elf Euro.
So viel zu Very Important Passenger.
Sehr very empörte Passenger like rauchten wir entrüstet Unmengen an Zigaretten und hielten uns am einzig kühlen Ort der Veranstaltung auf: vorm Aufzug.
Als ein wildfremder und absurd gekleideter junger Mann auf mich zukam, mit mir anstoßen wollte, und dann weiter zum Herren WC ging – dabei einen fahren ließ, was uns dazu brachte unseren Rückzugsort kurz zu verlassen – war ich am Tiefpunkt angekommen.
Just in diesem Moment öffnete sich die Aufzugtür und eine kleine Frau mit Pony und Entourage stolperte heraus. Wie aus dem Nichts schossen mehrere Fotografen hervor und ich fand mich wieder in einer absurden Fotokulisse: neben mir wohl das Objekt ihrer Begierde, und mein Bauch, den ich in diesem Moment natürlich nicht einzog.
Später fand ich heraus, dass es sich um die „Call me maybe“-Tante handeln musste. Entschuldigung, ich bin alt und berufstätig und weiß nicht, wie die Stars von heute überhaupt aussehen. Offenkundig genauso belanglos wie diese Veranstaltung.

Als wir es nicht mehr aushielten, entschieden wir uns, etwas auf der Tanzfläche abzuhotten. Unser gesamtes Erspartes hatten wir bereits in Sekt investiert. In den VIP-Rängen (also quasi Doppel VIP denn angeblich war ich ja auf einer VIP Party) gafften uns Agenten, Tänzer oder entfernte Verwandte der Preisträger an. Alle fünf Minuten huschte einer zur Tanzfläche, zog zwei Mädchen zu sich, die noch armseliger angezogen waren als ich selbst, und führte sie mit nach oben. Welcome to Edelpuff 2.0.

Einzig und allein das Gerücht, Noah Becker sei da, hielt mich noch ca. 45 Minuten länger in diesem Pulk der Absurden. Als ich mich dann endlich von ihm und seiner Existenz überzeugen konnte (und ihn beinahe von der Bühne schubste. Sorry dafür.) war es Zeit zu gehen. Als wir das Gebäude verließen standen vier junge Frauen am Eingang und versuchten die Türsteher zu überreden, sie reinzulassen. Gerne hätte ich sie am Arm gefasst und sie mütterlich gewarnt, vor dem, was sich darin ereignete. Andererseits sahen sie aus wie die Gören, die im Sekundentakt aus der Tanzfläche selektiert wurden. Und ich wollte Boris Beckers Sohn die Chance, heute noch den Stich seines Lebens zu landen, nicht vermasseln. Tam so nett von mir.

Ja, ich kam um zu gaffen. Ja, ich kam aufgrund der Annahme, zumindest der Sekt sei kostenlos. War er nicht. Und das klage ich an!
Dass ihr euch Mädchen in Veranstaltungen holt, wie kostenlose Prostituierte, ist die eine Sache. Dass ihr sie nicht mal mit Freisuff willenlos macht, die andere.
Kinder, überlegt doch mal: erst wenn Barbie-Bettina kurz vorm Kotzen ist, hat sie Lust, aidsverseuchte Promischwänze zu lutschen. Dummerweise war aber niemand betrunken. Und so wurde dummerweise, eine nach der anderen, wieder aus der Doppel-Tripple-Quadrat-VIP-Area vertrieben. Mein Tipp: lasst euch das nächste Mal eure Aftershow Party von ERGO sponsorn. Wenn schon, denn schon.

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