ABSCHIEDE

Abschiede sind hart und beschissen, darüber müssen wir uns nicht streiten. Es gibt notwendige Abschiede, Abschiede, die nicht hätten sein müssen, Abschiede, die befreien. Aber in erster und letzter Linie sind Abschiede einfach beschissen.

Wer auch immer sich diesen Freak-Scheiß mit „wuhu, der 21.12.2012 wird in die Geschichte eingehen als der Tag, an dem die Menschen eine neue Bewusstseinsebene erklimmen!“ ausgedacht hat, hatte vermutlich Recht. Seit exakt diesem Tag sind in meinem Umfeld, und bei mir selbst, Dinge passiert, die so einschneidend, so final sind, dass mir der Mund offen stehen bleibt (über einen Monat lang. Überlegt euch mal was sich für Fliegen angesammelt haben!!). Menschen reißen sich reihenweise aus ihren Handschellen (gesellschaftlicher Art) und rasten komplett aus. Châpeau an der Stelle für den Mut, auf große Lebensreise zu gehen, obwohl man rein objektiv den sicheren Hafen  schon seine Heimat nannte. Wir geben uns nicht mehr zufrieden mit Mittelmäßigkeiten, alles muss super sein, alles noch besser – alles was schlecht war muss weg. Wir zünden alles an, wir verkippen Benzin und tanzen um die Flammen, betrunken vom Adrenalin, das Entscheidungen literweise mit sich bringen. Wir verabschieden uns lapidar von Lebensbegleitern, die wir vielleicht nie wieder in dieser Form finden werden. Wir kochen unseren Frust und unsere Undankbarkeit in großen Portionen, dass er zähflüssig wird, wie Teer. Wir speisen damit die Reichen, um unser Gewissen zu säubern.

Ich vermisse die guten, alten Zeiten, in denen Menschen mit handbestickten Taschentüchern ihren Liebsten hinterherwinkten, ich vermisse die Zeiten der Verlässlichkeit. Im Sturm und Drang des einundzwanzigsten Jahrhunderts können wir froh sein, dass wir uns in all der Hast und Hektik nicht von uns selbst verabschieden. Wir können dankbar sein, dass unser Körper nicht schockiert vor unserer Seele flüchtet. Rennt, rennt so weit er kann, um nicht mehr gefoltert und geknechtet zu werden. Er muss uns ertragen, uns und unsere Pläne, die egal wie sehr wir es versuchen, immer scheitern werden. Aber dieses Wissen erlischt unter den Abschiedstränen, die wir uns anstandshalber herauspressen, bevor wir uns umdrehen und gehen und uns minütlich einreden, alles richtig zu machen. Bis wir unter dem Druck unserer Seifenblasen als erstes platzen.

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5 Gedanken zu “ABSCHIEDE

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