Hochzeiten. Tiefzeiten.

Nein, ich schreibe nicht aus gegebenem Anlass, sondern weil ich die Google-Suchtreffer etwas erweitern, und neben „Mein Onkel liebte meine buschige Möse“ und „Heroin Opfer Vorher Nachher“-Searchterms jetzt auch mal etwas Romantik einfließen lassen möchte. Was gelogen ist. Mit Romantik kann ich nicht umgehen. Umso weniger mit Eheschließungen.

„What in the holy fuck ist eigentlich in die Menschen gefahren, die fette, widerliche Frauen heiraten? Mit Tattoos. An Stellen, die albern sind.“ Das ist eine Frage, die ich grundsätzlich nicht stellen wollte, sie aber auch gerne mal im Raum stehen lasse.
Mein armes Auge hat in diesem Leben schon mehrere Hochzeiten gesehen. Persische Hochzeiten, deutsche Hochzeiten, kleine Hochzeiten, große Hochzeiten, preiswerte und teure Hochzeiten. Alle albern.
Alle komplett albern.
Es ist eine Odyssee des Fremdschams, und nein, es liegt nicht daran, dass ich noch nie einen Brautstrauß fing, weil dieser mich nebenbei einen Scheiß interessiert. Aus mir platzt der blanke Neid, dies sei eingangs zugegeben, aber nichtsdestotrotz würde ich alles anders machen, als ihr Idioten, die ihr euch den Stock schön tief in den Arsch schiebt und eure „Liebe“ zelebriert, wie eine Neueröffnung eines Friseursalons.

Ihr ödet mich an mit euren Themenpunkten, eure Reden, von Leuten, die euch eigentlich täglich sagen sollten, dass ihr hinreißend seid. Erzwungene Komplimente, so gelogen wie eure Treueversprechen, die ihr eh brechen werdet, je älter die Ehe, eure Geschlechtsteile und eure Erinnerungen werden.
Was bleibt sind Fotos, zu einer Collage geklebt, an eure Wand gehängt und wegignoriert. Ein Ring, den ihr immer häufiger vergesst, nach dem Duschen anzuziehen. Ehen sind recyclebar, an Wert so viel wiegend wie Fiona Erdmann. Und ich sage das, weil ich Trennungskind bin und weil ich es glaube.

Dennoch werde ich eines Tages heiraten. Nur deswegen, weil ich meinen Nachnamen hasse und weil ich euch allen zeigen möchte, wie man es richtig macht.
Ich werde KIZ mit Nagellackentfernerfotze laufen lassen, im Loop, während ich jeden einzelnen Gast abfülle. Wenn es sein muss mit einem Gartenschlauch, aus dem Vodka kommt. Wir werden jede der sieben Todsünden zelebrieren, mit Völlerei beginnen und mit Wolllust enden. Ich werde weder Flüge noch teure Hotels bezahlen, denn wer mich liebt, und meine Liebe ernst nimmt, der kommt zu Fuß um nicht zu verpassen, wie ich das komplette erste Samy Deluxe Album oder das komplette „101 Oldschool Classics“ Album mitrappen und mein Mann Backup macht. Geschenke lassen wir zurückgehen, es sei denn es handelt sich dabei um Katzenbabies oder Gedichte über meine Hautunreinheiten. Und wenn meine Mutter kurz davor ist, Sodom und Gomorrha zu verlassen, werde ich sie zwingen mit uns Helge Schneider Sketche nachzuspielen.

Hochzeiten heißen Hochzeiten, weil es Hoch-Zeiten sind. Aber wer von euch Nasen würde eine Tiefzeit mit genausoviel Prestige feiern. Wen lasst ihr zu Tiefzeiten in teuren Hotels wohnen? Hört auf damit, ihr Verleumder, euch selbst unglücklich zu machen und andere in euren Moloch der Selbstbeweihräucherung zu ziehen. Ihr werdet euch alle eines Tages eh gegenseitig bescheißen. Und wer kommt, wenn ihr alles rausfindet, dass eure Ehepartner untreu waren, und bleibt bei eurer Tiefzeit bis das Licht ausgeht? Eine Person. Wenn’s hochkommt. Und das ist die, die ihr eigentlich heiraten solltet.

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