TRENN DICH.

Während die Türkei und die Scheiden eurer Mütter brennen, beschäftigt mich nur ein einziges Thema: Schuldgefühle. Würde ich regelmäßig Bewerbungsgespräche führen, nach meinen Stärken gefragt werden, würde ich als passionierte Profession angeben, dass ich mich permanent schuldig fühle. Ich bin Schuld am Misserfolg der Firma, in der ich arbeite, ich bin Schuld an der finanziellen Situation von ungefähr jedem, ich bin Schuld daran, keine gesunde Beziehung führen zu können – Schuld Schuld Schuld. Um festzustellen, dass dies mein Grundproblem ist, habe ich über ein Jahr fancy Therapiesitzungen hinter mich bringen müssen – und einiges gelernt.

trennen

Menschen führen Beziehungen, verlieben sich, hassen sich, verloben sich und gründen eine Familie. Sie betrügen sich und sitzen irgendwann da, mit sagen wir einmal 45 Jahren, haben zwei zuckersüße Kinder, die komischerweise nicht so missraten sind wie die eigene Moral, und genau diese bilden den einzigen Klebstoff, den die einstige Verbindung noch rudimentär zusammenhält. Der / die Geliebten verschwenden unzählige Jahre ihres eigenen Liebeslebens nun also an eine Komponente eines fehlerhaften Familiengebildes, und das ist die vermutlich einzig gute Tat, die ihr verbringt. Ihr schützt eine arme Seele davor, denselben Klebstoff zu produzieren, der sie für immer an Menschen bindet, die unter anderen Umständen mittlerweile eure größten Feinde wären.

„Ich würde mich ja trennen. Aber die Kinder!“ – Fuck you, Herbert. Was für? Als erfahrenes Trennungskind kann ich mit stolz geschwellter Brust sagen: je früher, desto besser! Eure sogenannten Familien sind nichts wert. Sie produzieren keine Sicherheit, keine Geborgenheit, nur Spannung. Traurige, zerrissene Anspannung. Zwischen dir. Zwischen deinem Partner. Zwischen deinem Kind, das an dir klebt, wie frisch aufgegossener Teer im Hochsommer. „Aber es ist doch erst vier! Mit fünfzehn Jahren wird es das verstehen.“ – großartige Idee. Elf Jahre Höllentrip. Elf Jahre in irgendeiner Ecke des unterentwickelten Kinderkörpers spüren, dass irgendwas nicht stimmt. Anfangen, die Schuld bei sich zu suchen. Ihr dummen, dummen Menschen.

kinderIhr erschafft Schuldgefühle-Monster, deren einziges Lebenselixir sein wird, sich darum zu kümmern, dass alle – ausgenommen sie selbst – um sie herum glücklich und zufrieden sind. Das haben sie so gelernt. Denn wenn die Eltern permanent heimlich eine Fresse ziehen, dann wird alles getan um den Haussegen aufrecht zu erhalten. Einfacher wäre es gewesen, dann einen Schlussstrich zu ziehen, als man zweifeln musste, wie sehr diese Verbindung noch Sinn macht. Aber das wollten die feinen Herren ja nicht. Aber das wollten die feinen Damen ja nicht. „Es ist noch viel zu jung um nur mit einem Elternteil aufzuwachsen.“ – man ist immer zu jung dafür. Man ist immer zu sensibel für die Hässlichkeiten des Lebens.

Nur weil ihr Angst habt. Nur aus Schuldgefühlen, die ihr potenziert in die Herzen eurer Kinder setzt. Trennt euch. Ernsthaft.

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