EIN FUNKE STOLZ

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Ich wünschte ich könnte öfter weinen. Öfter weinen und dabei so anmutig aussehen und klingen, wie die Hollywood-Schauspielerinnen in ihren Drama-Filmen. Wenn ich weine, verzerrt sich mein Gesicht zu einer Fratze. Meine Stimme wird quietschig. Meine Nase schwillt zu. Ich kann ab einem gewissen Punkt nicht mehr atmen und werde panisch. Aber: wer weinen kann ist klar im Vorteil. Schlechte Noten in der Schule? Drück auf die Tränendrüse, Tanja, und Herr Meier drückt ein Auge zu. Du willst dich für siebenundneunzig mal fremdgehen entschuldigen? Lass die Suppe aus den Augen, Agnes, und Willibald vergibt dir. Tränen – das internationale Kommunikationsmittel für: ich bin echt am Arsch. Rette und tröste mich. So sehr du kannst.

Ich bin der einsamste Mensch der Welt. Ich wiederhole mich, aber gegen irgendein Menschenrechtsgesetz wird meine Wohnsituation genauso verstoßen wie Natascha Kampuschs Residenz back in 1999. Mein Innerstes ist eine unendliche Ansammlung von Verlorenheit, dass ich es nicht vermag, Worte dafür zu finden. Ich bin unglücklich, durch und durch. Jeden Abend, den ich alleine zuhause sitze, Alkohol trinke und Musik höre, könnte ich in Tränen ausbrechen. Könnte. Ich kann aber nicht.

Menschen begleiten mich ein Stück lang auf meinem Weg durch die Wüste, trinken von meinem Wasser, besprenkeln mich mit ihrem Schweiß (den ich so erfrischend finde wie eine Dusche im Regenwald.), schütteln mir dann fast förmlich die Hand und gehen, während ihr Innerstes noch in mir steckt. Das bisschen Restwasser, das ich noch über habe, schießt mir allerhöchstens in diesen Situationen in die Augen. Mein Körper bäumt sich auf unter dieser Verschwendung von kostbarer Flüssigkeit. Doch ich bin kein Filmstar. Also unterdrücke ich die Wassergeschosse tapfer und laufe weiter, in der Hoffnung irgendwann auf eine Oase zu stoßen, die mir genug Kraft gibt und all den Stolz nimmt, meine in mir inhaftierten Tränen zu teilen.

Noch ein Kuss zur Sonne – aus dem Regen ans Licht

es ist ne Frage der Zeit, bis dieses Leben erlischt.

Und heute scheint sich zu zeigen, was all die Taten wert waren:

Augenringe, Magenschmerzen – und ich hab Herzrasen.

Noch ein Kuss zur Sonne – aus dem Regen ans Licht

du fragst dich wer and dich denkt? Das bin lediglich ich.

Die Tränen verwischt um die Zeichen zu kaschieren

denn ein Funke Stolz bleibt ewig:

ich wein nicht vor dir.

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