ABENTEUER ONLINE DATING

Es ist Herbst-Winter. Ich weiß das, denn meine Finger sind so kalt wie Eiszapfen und lassen die Worte nur halb so schnell auf die Tastatur und in dieses Textfeld regnen, wie ich es sonst gewohnt bin. Ich weiß das, denn das ist die Jahreszeit, in der man ohne Partner am meisten leidet. Mein 1.40-Bett (ich zog um. Ich hatte ein Bett-Improvement) ist voll mit Dingen, die einen Männerkörper nachstellen sollen. Außer Dildos. Sowas habe ich nicht, weil ich es albern finde, aber dazu an anderer Stelle.
Und da mein Leben so spektakulär ist, wie ein 24-Seiten Fax von Kay Ones Mutter an Staiger, dachte ich: turn my swag on, Alter! – und meldete mich bei Online Dating Portalen an.

1. Parship
Ich muss einen Persönlichkeitstest machen und alberne Fragen auf albernen Skalen beantworten. Ich bin ehrlich und Parship sagt, ich hätte eine ausgeprägte männliche Seite. Dann soll ich Fotos hochladen, die stundenlang approved werden, während ich im Minutentakt Nachrichten von Männern erhalte, die weder schön noch besonders interessant wirken, auf die ich aber auch nicht antworten kann, ohne unglaublich viel Geld zu bezahlen.
Parship aus.

2. ElitePartner
Ich muss einen Persönlichkeitstest machen und alberne Fragen auf albernen Skalen beantworten. Ich bin ehrlich und ElitePartner sagt, ich wäre ein empathischer Mensch. Dann soll ich Fotos hochladen, die stundenlang approved werden, während ich im Minutentakt Nachrichten von Männern erhalte, die ich nicht sehen kann. Also weder die Männer. Noch die Nachrichten. Denn ElitePartner möchte für jeden deiner Atemzüge Geld. Ich bekomme ebenfalls minütlich E-Mails von einer gewissen „Katharina Allendorff“ mit dem Betreff „es wird spannend. Jemand war auf Ihrem Profil!“ – ich schnaube verächtlich und gebe als Statusmeldung „Niemand möchte für ElitePartner Geld bezahlen. Nicht einmal Gollum!“ ein. Dann melde ich mich ab.

3. Finya
Auf Finya wähle ich den Usernamen „wonder-woman“ und werde mit Nachrichten von verquollenen Typen mit zu wenig oder zu viel Körperpflege-Affinität bombardiert.
Sie benutzen Smileys inflationär, Homie. ^_^ und =) sind nur gruslige Auszüge daraus. „Wollen wir sich mal kennenlernen?“ fragt User  „sollo“. Ich klicke ihn weg. „jdam“ ist hartnäckiger, als ich auf die dritte einfallslose Nachricht immer noch nicht geantwortet habe, fragt er: „behindert?“ – jetzt hat er mich. Auf Dating Portalen wird mir noch nicht oft genug beleidigend kommuniziert. Ich beleidige seine Mutter, finde ihn aber zum Schreien unattraktiv, und melde mich ab.

4. badoo
Okay, ran an die Königsklasse. Hier herrscht quasi Anarchie.
Bilder werden direkt freigeschaltet, was mich zu der Überlegung führt, mein Gesicht durch das von Lana del Rey zu ersetzen. Ich lasse es. Man muss Fotos bewerten. Man muss es wirklich, man wird dazu genötigt. Ich bewerte mich durch die Tiefen des Molochs und komme nie über 3 Sterne. Das ist männermäßig der Abwasserkanal des Online-Datings. Fotos mit eingeölten Solarium-Bizeps-Anbahnungen. Fette, dünne, dumme, kleine Typen die sich im Duckface-Machen üben. Alle zwanzig Sekunden ertönt ein penetranter Ton und jemand schickt mir eine Nachricht. Darunter auch ein junger Mann, der ein Bewerbungsfoto hochgeladen hat. Ich lache mich tot und antworte ihm. Er ist tatsächlich klug. Und Unternehmensberater. Und 1.73 – ich beende das Gespräch. Und lösche mein Profil, während ich „ich lass dich nicht zurück“ von Moses Pelham höre.

Ich bin nicht der Typ für dieses Online-Ding. Männer müssen mir das Gefühl geben eine Null zu sein, neben ihnen, erst dann finde ich sie interessant. Sieben gut ausgewählte „Flirt-Pics“ kombiniert mit 17 Smileys in drei Sätzen ergeben bei mir in der Summe immer eins: Würgereflex.
Statt ElitePartner sieben Milliarden Euro in den Arsch zu blasen, nehme ich heute Abend fünfzig Tacken in die Hand und betrinke mich in einer Bar. Das ist besser angelegtes Geld. Und nen Rausch kriegt man quasi Freihaus mit dazu.

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Ein Gedanke zu “ABENTEUER ONLINE DATING

  1. Ich verstehe den Sinn dieser Tests von Parship und ElitePartner auch nicht. Was nützen mir 115 Match Points, wenn ich es mit einem hässlichem Zwerg mit furchtbaren Dialekt zu tun bekomme, der meine Sinne visuell und akustisch beleidigt. Für solche Angebote auch noch Geld zu zahlen und die Nervensäge Allendorff zu ertragen, ist wirklich Masochismus pur!

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