EREKTA NIE

Es sind schwere Zeiten in diesem beschissen anfangenden 2014, das sei vorweggestellt. Die letzte Zahl im Datum ändert nunmal doch nicht alles, besonders keine Menschen und besonders keine Umstände. Vor allen Dingen nicht zum Positiven. Ich sitze hier, auf heißen Kohlen, und komme erstaunlich stark ins Grübeln hinsichtlich so vielen Dingen, die mein Gehirn nicht zur Ruhe kommen lassen. Um es mit meinen eigenen Worten zu sagen: es ist alles sehr dramatisch.

Ich liebe diesen Blog. Ich liebe jedes einzelne Bild, das hier hinterlegt ist, und jeden Text den ich schrieb. Es ist vermutlich das einzige in meinem Leben, für das ich ein bisschen Stolz empfinde. Vor drei Tagen verlängerte sich die Domain, das momentan einzige, das Bestand in meinem Leben hat. Aber überraschenderweise ist einiges hier irreführend und ich habe das Bedürfnis etwas richtigzustellen. Mich richtigzustellen: ich bin keine „Sexpertin“, kein erotikfixierter, verdorbener, junger Mensch. Ich bin in erster Linie aufmerksam. Einsam. Leicht verängstigt, ein wenig verzweifelt, selbstbewusst genug das zu erkennen, zu akzeptieren und zu wissen, dass ich das ändern muss – Schritt für Schritt. Ich suhle mich nicht in Selbstmitleid, bade mich nicht in künstlicher Trauer. Ich lasse Dinge geschehen und absorbiere die Konsequenzen wie schwefelhaltige Luft, die in meinen Lungen sticht. Das teile ich mit. Ich teile mich mit. Ich teile euch mit, eure Geschichten, die ihr mir erzählt, und ich kommentiere sie. Ich kommentiere sie scharf oder sanft, je nachdem wie sehr sie mich schmerzen. Ich schreibe nicht über Fotzen und Schwänze weil ich Fotzen und Schwänze geil finde. Ich schreibe darüber, weil auch das Kommunikation ist, ihr euch damit einander mitteilt. Einander verunsichert in dieser unsicheren Welt. Ich schreibe darüber, weil diese Punkte genauso Thema sind wie eure Jobs, Urlaube und Lieblingsgerichte.

Dabei bin ich nicht die männerfressende Irre, die durch die Welt zieht und sich alles zwischen die Beine zerrt, was sie in ihre Finger kriegen kann. Im dramatischen Gegenteil: ich habe Respekt vor Nähe. So wie erwachsene Männer Respekt vor wilden Löwen haben. Ich möchte mit Ende zwanzig nicht dasitzen und jeden Kerl Revue passieren lassen müssen, der meine Energie stahl. Ich möchte frühstücken, in der Sonne, und dass sich der Geruch von Kaffee mit dem Geruch eines Menschen vermischt, den ich liebe. Ich möchte Kinder. Ich möchte alles dafür tun, jemanden glücklich zu machen, der sein Leben an meiner Seite bestreitet. Es mit mir teilt. Ich möchte kochen und lachen und gemeinsam weinen und kämpfen. Ich möchte die Augen schließen können und keine Angst davor haben, was passiert, wenn ich sie wieder öffne. Ich möchte glücklich sein und ich möchte guten Sex. Ich möchte Ehrlichkeit. Und ich finde das ist nicht zu viel verlangt.

Ich möchte mit dem Löwen tanzen, vor dem ich so viel Respekt habe, dass ich es kaum wage, sein Revier zu betreten. Ich möchte meine Hände mit seinen Pranken vergleichen und beruhigt feststellen, dass ich ihre Größe nie erreichen werde und voller Ehrfurcht einen Schritt zurückgehen um das große Ganze zu sehen. Die Schönheit, die sich in der Gefahr verbirgt, und die wir alle nicht fassen können. Denn sie ist zu groß für uns. Der König über uns Tiere.

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4 Gedanken zu “EREKTA NIE

  1. Ist das Bild einer Löwin und einer Frauenhand Absicht?

    Im Ernst, ich finde Deine Art zu schreiben sehr schön. Mach bitte weiter. Es ist schön, dass Du kein Männer-mordender Vamp bist. Es gibt Dir andererseits allerdings einen Einblick wie Du auf Leser wirkst. Wenn Du im realen Leben Dinge auch so ansprichst, kann es gut sein, dass Menschen es auch im realen Leben so sehen.

    Ich hatte letzte Woche eine Erfahrung, als ich meinte im Beitrag über das Schreiben genau zu verstehen, was die Autorin sagen wollte. Ich habe es gelesen und es fügte sich zusammen wie Puzzle. Ich war so begeistert, dass ich es kommentiert habe. Du wirst es Dir denken, ich habe es komplett falsch interpretiert. Nachdem wir beide unsere Gedanken erklärt hatten, kamen wir zum Schluss, dass es wahrscheinlich noch mehrere „logische“ Interpretationen geben kann.

    • Irrerweise schrieb ich zuerst den kompletten Text und suchte dann via tumblr nach dem Tag „Lion“ – und eines der ersten Treffer war diese Fotografie, die vollkommen absichtlich das Ende der Aussage ziert ..

  2. Du meine Güte… Da hat mich wieder völlig ahnungslos die Emotionsbreitseite getroffen… was für ein schöner Text, so rein, so emotional schön.
    Danke und ein noch unbekanntes freundliches Hallo…

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