STICHWORT VAGINALHYGIENE

Ich fühle mich seit kurzem wieder hochgradig von den deutschen Medien belästigt. Sie schielen mir zwischen die Beine und kauen die Fakten durch, wie ein nie an Geschmack verlierendes Hubba Bubba Kaugummi. Wenn ich könnte, würde ich sie wegen sexueller Belästigung verklagen, aber meine Rechtschutzversicherung deckt diesen Themenpunkt nicht ab. Also wird es Zeit für Gegenfeuer, schließlich treiben wir uns alle gerade auf erektaprompt.com rum, damit müssen wir also alle leben.

Irgendeine Frau namens Christine Kaufmann geht mir tierisch auf die Nerven. Ich google sie und lese mir die lieblos dahingeschriebenen Wikipedia-Zeilen durch, die man über sie finden kann. Dort wird auf eine Aussage gegenüber Frank Elstner (ja, den gibt es noch) verwiesen, in der sie sagte, sie sei nie zur Schule gegangen (bonjour fehlende Sozialkompetenz), die Ex von Tony Curtis, die Mutter von Allegra Curtis (Ex-Dschungelcamp-Insassin) blablabla bla. In ihrem albernen Buch „Lebenslust – so kann ich mich jederzeit neu erfinden“ (sie meint das ernst. Wirklich.) spricht sie sich vehement für Schambehaarung aus. Und da haben wir das Problem. Christine Kaufmann schreibt ein Buch und es wird verlegt. Ich schreibe krassen Herzscheiß und niemand verlegt mich. Also hasse ich sie schonmal aus Prinzip. Des weiteren schlägt mir die Presse diesen Aufruf zum Vagina-Urwald vehement jeden Morgen in die verschlafene Fresse. „Ich bin regelrecht bestürzt, wie erwachsene Frauen aus sich wieder präpubertäre Mädchen machen wollen.“ sagt sie da, zum Beispiel. Ich finde das frech.

Es geht sie schonmal gar nichts an, was ich mit meiner Intimbehaarung anstelle. Ob ich da nun Rastazöpfchen reinflechte oder einen Blitz rasiere oder ein Mal im Monat zum Waxing gehe um mir alles rausrupfen zu lassen, damit im Überraschung-Menstruation!-Moment nicht die halbe Suppe im Schamhaar hängt (sorry for details) hat sie gar nicht zu interessieren. Dass Frauen, die sich die Fotze rasieren (ja, explizit, huiuiui – heul doch) das grundsätzlich nur machen um wieder ein präpubertäres Mädchen zu werden möchte ich hier mal stark anzweifeln. Aber es geht mir auch gar nicht um Christine Kaufmann und was diese Frau dazu zu sagen hat. Es geht um mehr. Und es ist mir eine Herzensangelegenheit das zu besprechen.

Als Frau in den frühen mittleren Zwanzigern, ja – ich rede es mir schön, deren Kindheit noch nahezu undigitalisiert verlief und deren späte Jugend dann voll mit neuen Medien gepumpt wurde, habe ich unbewusst eine enorme Anziehung älteren Männern gegenüber festgestellt. Ich rede nicht von 55jährigen Sugar-Daddys, aber es ist für mich nicht ungewöhnlich, dass ich den 37jährigen Mr. X attraktiver finde, als den 25jährigen Lil’Y – woran das liegt? Keine Ahnung. Vaterkomplex, Faible für Lachfalten, genereller Zufall – die Möglichkeiten sind unendlich. Ich muss aber auch feststellen, dass die Damen und Daminnen in meinem Alter, die sich eben eher zu Lil’Y hingezogen fühlen, auf sexueller Ebene die absurdesten Erfahrungen erleben, die mir – insallah – bei meinem Beuteschema bis dato erspart blieben. Da wird mir dann erzählt wie der nette Typ aus der Disco auf einmal anfängt seine Sexualpartnerin anzuspucken, oder der liebe Schulkamerad von um die Ecke beim „Liebesakt“ (HAHAHA! ALS OB!) ungefragt beginnt seine Partnerin zu würgen. In der Regel erhalte ich nach diesen Erlebnissen Anrufe und SMS ob das normal sei, ob man das mitmachen müsse (!!) und ob das denn so gehöre. Da ich keine Ahnung habe, weiß ich nicht, ob es „normal“ ist – was ist schon normal? Schamhaar oder Nicht-Schamhaar? Würgen oder Nicht-Würgen? Sex mit älteren Männern oder Sex mit Gleichaltrigen? Es ist erstmal vieles, aber in erster Linie eines: unhöflich!

Aber übelst unhöflich. Kevin, du Maul, frag vorher mal nach ob das klargeht!!! Aber nein, die Herrschaften denken nicht dran und ziehen ihr Programm durch, das sie vermutlich auch brauchen, um einen Punkt zu erreichen, den ihre Partnerinnen unter diesen Umständen erstmal Monate vor sich herschieben werden. Und anknüpfend an die ebenfalls medial sehr ausgebreitete Debatte, Stichwort „Pornos verrohen unsere Kinder“ muss ich hierbei sagen: jau. Liebe Christine Kaufmann, wenn sich Frauen ausschließlich aus dem Grund die Muschi enthaaren, weil Würge-Wolfgang und Spuck-Stefan das verlangen, weil der Pornostar ihres Vertrauens das eben auch hat, und weil sie sonst eine Frau auf sexueller Ebene nicht ernstnehmen können, dann ist das scheiße. Liebe Christine Kaufmann, wenn Frauen untenrum den Busch entfernen, weil er sich ständig im Reißverschluss verfängt, das Menstruationsblut im Langhaarpelz festklebt und es im Allgemeinen angenehmer riecht, wenn die Haare den Duft nicht bis nach Mesopotamien transportieren, dann ist das vollkommen fein. Wenn Frauen unbedingt geleckt werden wollen und ihr Sexualpartner das gerne würde, aber er die Fresse voller Haare hat und die Stimmung nicht so recht aufkommen möchte, Tanja also aus diesem Grund mal das Fell den Abfluss runterspült, dann kann man das diskutieren. Christine Kaufmann, wenn eine Frau auf die Intimbehaarung verzichtet, weil sie es ästhetischer findet, dann ist es ihr scheißgutes Recht. Wallah, ich schwöre, niemand möchte aussehen wie eine Vierjährige. Wir vögeln doch keine Pädophilen. Was ist das für ein Bullshit?

Aber klar. Genauso wie doppelt so viele Menschen diesen Blogeintrag anklicken, weil ich ein Mal Fotze und ein Mal Muschi und gefühlte tausend Mal Schamhaar geschrieben habe, werden auch ungefähr doppelt so viele Menschen Christine Kaufmanns unbrauchbares Buch kaufen. Und vorblättern, bis zum Punkt „Vaginalhygiene“ um dann enttäuscht festzustellen, dass die Kaufmann doch nicht die neue Roche ist, sondern eben nur eine Frau, die sagt „ich finde Schamhaar ästhetischer“-  aber nicht sagt „wenn ihr kein Schamhaar ästhetischer findet, ist doch cool“ – während ich hier sitze, egal ob mit oder ohne, und niemand mich verlegt. Obwohl ich es mehr verdient hätte als Christine Wurst. Selbstredend.

Kleiner Hinweis am Rande, Frau Kaufmann: Niemand muss sich selbst neu erfinden, wenn man in dieser Welt nicht einmal die Möglichkeit hat, sich überhaupt zu finden. Hier wird man nur verloren geglaubt. Verloren geglaubte Jugend. Verloren geglaubte Generation Y. Verloren geglaubte Frauen ohne Schamhaare. Was für eine Welt. Widerlich.

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