ICH HABE NICHT GEKOCHT

Ich habe nicht gekocht. Ich habe Pizzabaguettes im Ofen erhitzt, denn du hattest keinen Hunger – dafür ich, denn ich aß den ganzen Tag nichts. Du saßt im Wohnzimmer und der Fernseher lief und ich legte Wäsche zusammen und packte und spülte das Geschirr und endlich, endlich war ein wenig Leben in der Wohnung. Leben, außer mein eigenes, das so schnell so unbedeutend wird, wenn man es jeden Tag mit ihm aushalten muss. Der Fernseher lief und manchmal hast du Dinge gerufen und ich trat in den Türrahmen und sagte „du weißt doch, dass ich nichts verstehen kann, wenn du so weit weg bist.“ und du sagtest „ach egal.“ und ich sagte „nein, sag!“ und dann hast du es wiederholt und es war so banal und belanglos, dass mein Herz aufging.

Ich holte die Lampe und stellte sie zu dir auf den Tisch, damit du besser sehen kannst, und saß auf dem Sofa und starrte dich an, wie du schriebst, und wusste nicht, ob ich etwas sagen soll und wenn ja was und öffnete Wein – aber trank ihn nicht. Und ich ging rauchen, aber ich rauchte nur die Hälfte, von draußen konnte ich dir in den Nacken starren und es war viel zu kalt und die Zigarette schmeckte nicht, also drückte ich sie aus und ging wieder rein und du saßt da, du saßt da und bliebst, vier Stunden, fünf Stunden, sechs Stunden.

Aber du gingst auch wieder, irgendwann zwischen sitzen und Fernsehen und zusammen auf dem Sofa liegen und albern sein, gingst du wieder und ich hatte Angst. Angst, dass dir etwas passiert, dass draußen jemand ist, der dir nichts Gutes will und war irrational und schlief schlecht, denn wir sind nicht so, dass wir einander Bescheid sagen, dass wir gut angekommen sind. Und das Kissen roch nach dir und jede Sekunde hatte ich Angst, dass es aufhören wird, so zu riechen und schon wieder war da Angst, die ganze Zeit ist da Angst, immer wenn du weg bist, ist da Angst und ich habe zu oft Angst, ich bin niemand der gerne Angst hat – oder je Angst hatte, aber von Stunde zu Stunde wird sie mehr und irrationaler und absurder und ich finde, sie sollte aufhören .. ob mit oder ohne dich.

Und ich will dich nicht damit du mich vor etwas retten, von etwas fernhalten kannst, damit du mich beschützt. Ich will groteskerweise das exakte Gegenteil, dich retten, dich schützen – auch wenn du es vermutlich am wenigsten gebrauchen kannst. Ich will verdammtnochmal kochen und nicht hören, dass du keinen Hunger hast, und dabei lügst, weil du eigentlich immer Hunger hast – nur nicht willst, dass ich koche, dass ich etwas für dich tue, das ich so etwas für dich tue. Dass du dich auf einmal wohlfühlst, dass du bleiben willst, länger als die obligatorischen zwei Stunden, länger als eine Woche, einen Monat, und dann wird mir klar, dass auch du Angst hast und zwar Angst davor glücklich zu sein.

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