WERT

Wie viel? In welcher Währung? Oder gar in welcher Einheit? Kilogramm oder Tonnen oder Liter? Wie viel davon muss man in die andere Waagschale schütten, um uns selbst aufzuwiegen? Welchen Wert haben wir, und wenn es darauf keine eindeutige Antwort gibt, auf die Kommastelle genau, liegt eine der vielen Wahrheiten dann wenigstens im Auge des Betrachters?
Ich stelle mir diese Frage seit Monaten minütlich. Wie lange, wie viel, wie oft muss man etwas aushalten, bevor die eigene Legierung platzt und abblättert, wie Rinde von einem hohlen Baum. An der Börse des Lebens können wir unseren Wert vielleicht selbst festlegen, aber was bringt es, wenn Spekulanten glauben, man könne in Raten zahlen bis dass die bessere Option uns scheidet.

Und apropos Spekulanten – mir liegt nichts ferner als mit dem Finger auf sie zu zeigen, spekulieren wir doch alle. Auf gute Nachrichten, ein Happy End, die Erlösung, ein kleines bisschen Glück, das hier und dort fehlt, um zufrieden einzuschlafen, ohne die ermüdenden Momente in denen man nachts hochschreckt und sich fragt: was mache ich eigentlich hier? Und was mache ich erst recht wenn das eintritt, wovor ich mich am meisten fürchte? Und was – Achtung, es wird pathetisch – ist wenn meine Vermutung, dass mein Wert doch nicht so hoch ist wie ich ihn selbst einst einschätzte, sich bewahrheitet und ich all das verdiene, von dem ich glaube, dass es mir zu Unrecht geschieht? Vielleicht sind wir gar nicht so besonders. Vielleicht sollten wir nehmen was wir kriegen können. Vielleicht gibt es sehr wohl eine Maßeinheit, die angibt, wie viel Risiko, Zeit, Hingabe und Verbindlichkeit einem zusteht. Vielleicht steht all das einem gar nicht zu und vielleicht verlangen wir alle zu viel. Vielleicht verspekulieren wir uns mit der verdammten Hoffnung und erleben eine Endlosschleife an schwarzen Freitagen – einfach, weil das alles ist, was wir verdient haben.

Ist dies dann der Auftakt zu einer Endlosschleife an Resignation oder der fehlende Motivationsschub, der uns zu Höchstleistung antreibt? Sei es das eine oder das andere – oder weder noch – am Ende bleibt nichts als das immerwährende Echo des „zu wenig“, des „nicht genug“ und die quälende Gewissheit, dass all die schlauen Sätze von vermeintlich schlauen Menschen, die wir uns immer wieder aufsagten, nicht mehr wert sind als die Druckerschwärze, die dafür aufgebracht wurde. Dass, würde man uns wiegen, wir nicht mehr sind als ein Lot. Ein Geist. Eine unwichtige Hülle deren realer Wert in der Realität nicht existiert. Und vielleicht ist dieses Wissen mehr Erlösung als Qual. Weil man sich nicht mehr beschwert, mit Klunkern, Gewichten und geschwollenen Worten, die in der Schwere der Zeit verblassen, wie Rauch meiner Zigarette, die ich vergessen habe auszudrücken. Weil sie so egal geworden ist, im Vergleich. Im großen Ganzen.

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