HÖHER. SCHNELLER. WEITER.

Ich esse Kohlrabi und trinke Sekt auf meine Seitenstrangangina. Im Fernsehen läuft Germany’s Next Topmodel die Drölfte. Das Botox in meiner Stirn beginnt nach sechs Monaten langsam nachzulassen und es ist Weltfrauentag. Würde mein zwölfjähriges Ich neben mir sitzen würde es mir eine reinhauen. Mehrfach. Zu Recht.
Was ist nur aus mir geworden?

„Wann schreibst du mal wieder was?“ fragen sie, und wenn ich gnadenlos ehrlich sein darf – und das darf ich, wo wenn nicht hier – dann ist meine Antwort: weil ich verflucht nochmal nicht mehr kann. Was soll ich denn noch sagen? Ich habe alles gesagt.
Die Welt ist unfair, das Leben schwer, Hoffnung ist ein Opioid und lässt unsere verkrüppelten Herzen weiterhämmern. Weit entfernt vom Takt. Den gibt es auch gar nicht mehr. Zumindest kann ich ihn nicht hören.

Ich bin jetzt 28, habe meine Seele endgültig an den Teufel verkauft, verdiene eine Menge Geld dafür, dass ich die Uni geschmissen habe, und ratet mal – bin weit entfernt von glücklich. Nach wie vor sitze ich auf meinen aufgetürmten Niederlagen von Dingen, die wirklich eine Rolle spielen. Eine viel größere Rolle spielen als eine schöne Wohnung, die Möglichkeit mal Urlaub zu machen, eine Karriere zu haben & eine glatte Stirn.. all that jazz. Dieser ganze Müll steht nämlich nicht abends an deinem Bett, wenn du eine verfluchte Seitenstrangangina hast, und sagt dir, dass alles gut wird. Dieser ganze Unfug wird dich auch nicht über die Schwelle heben, wenn du einmal den Löffel abgibst.

Fragt mich nicht worauf ich hinaus will; das gibt es auch gar nicht, dieses Hinaus. Dieses Hinaus ist eine in sich gärende Suppe, die dich immer wieder an denselben Möglichkeiten vorbeischwemmt, und sie dir als Neue verkauft. Und wenn du es wagst angesichts der Erschöpfung schwer zu atmen, dann verpuffen auch diese. Wir tun uns selbst nicht gut, jeder für sich – und noch schlimmer in Kombination mit anderen. Die sind aber das, was uns morgen überhaupt noch aufstehen lässt, oder nicht? Die verfluchte Möglichkeit, dass eben doch nicht alles umsonst ist, was man sich jeden Tag antut.

Aber es ist ja Weltfrauentag und wir sind ja alle, ausnahmslos alle, ganz großartige Geschöpfe, nicht wahr? Stark und klug und alles. Und sexy auch natürlich, egal ob sechs Kilo zu viel oder zu wenig. Alle sind piutiful in ihrem Dasein. Ob zart, ob hart, ob ausgelebt und hoffnungslos – alle super. Stimmt’s?
Natürlich nicht.

Und es ist auch ganz egal. Als würde es einen Unterschied machen. Es ist auch alles Willkür und schon wieder stürzt man sich mit offenen Armen in eine Tragödie, auf die man ohnehin keinen Einfluss hat. Aber so offensichtlich ist es nicht. Noch ein bisschen besser, noch ein bisschen klüger, ein bisschen schöner, ein bisschen begeisterter, ein bisschen mehr von dem und eine Schippe weniger von jenem – dann muss. es. doch. reichen.

Ich will das Ende ja nicht vorwegnehmen, aber wird es nicht. Niemals. Es ist auch ganz egal.

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2 Gedanken zu “HÖHER. SCHNELLER. WEITER.

  1. Das Warten hat sich gelohnt. Ein toller Text. Wahrscheinlich ging es Dir in der Zwischenzeit zu gut, um gute Texte zu schreiben.
    BTW, wie wäre es mit etwas Collagen?

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